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Schreiben

Wenn es eine Sache gibt, die wahr ist, dann ist das, dass man zum Schreiben die Einsamkeit braucht. Ohne einen einzigen Menschen um sich herum schreibt es sich immer am leichtesten. Nichts da ausser man selbst. Das Rauschen eines Bachs, des Meeres, der Stille. Geräusche, die von weither kommen, die der Wind heranträgt, wie zufällig, ohne dass man selbst gemeint wäre, ziehen sie vorbei und schon ist man wieder allein. Das ist die Art der Stille, der Einsamkeit, die ich meine. In der es sich so vortrefflich schreiben lässt. In der das Denken ganz allein dich fortträgt, irgendwohin, deine Vorstellungskraft ist völlig ausreichend, um dich hier wegzubringen, an welchen Ort, das bestimmst du ganz allein, und wer du dort bist, das liegt in deiner Hand. Erzählen, das tust du in erster Linie immer dir selbst, denn in deinen Geschichten kannst du alles sein, da gibt es keine Grenzen.
So hat das damals alles angefangen: Die Füsse im klaren Wasser des Flusses direkt vor der Haustür, und ausser ihm und mir war da niemand, aber auch so kann sich das Glück anfühlen: Im eiskalten Wasser stehen, nicht sprechen müssen, nur ich und der Fluss. Das war die gute Zeit der Kindheit, draussen zu sein. Denn in der Einsamkeit fragt dich niemand nach dem Warum, du schreist deine Rechtfertigung in den Wind und niemand kann sie hören.
 Und der Fluss, leise flüsterte er mir Geschichten zu und meine Aufgabe war es, sie zu Papier zu bringen,  am Ende standen sie da, ein Buchstabe nach dem anderen, Wort für Wort. Jahre ist das nun her.
Denn erzählen, das lässt sich doch irgendwie immer. Du musst nur einsam genug dafür sein, innerlich. Du siehst aus dem Fenster oder aufs Wasser oder in die Luft, und der Verstand entgleitet dir und schwebt davon und sammelt Worte ein, Sätze, die am Ende ein Ganzes ergeben. Und solange bist du ganz wehrlos, du kannst nicht anders, als das Spiel mitzuspielen, weil ohne kannst du ja gar nicht sein.
Und deshalb tue ich das noch heute. Den Stift in die Hand nehmen und den Verstand wegschicken, und mit ihm alle Menschen um mich. Die Einsamkeit kann der Nährboden sein, den du brauchst, um Neues zu erschaffen. Und das weiss ich jetzt seit vielen Jahren.

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