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Momente

Ein Kaffee, vielleicht, könnte den Moment noch besser machen, oder das Gefühl frisch geputzter Zähne. Vielleicht lieber Tee?

 

Festhalten scheint so verlockend, Vervollkommnung so erstrebenswert. Wir wollen Momente auskosten, wollen so viel davon mitnehmen wie möglich. Etwas bekommen für die Zeit, die wir spenden. Wir wollen Momente zubereiten, wie man Mahlzeiten zubereitet; kleine Snacks für Zwischendurch, ab und zu ein Festmahl. Wir wollen in Erinnerungen schwelgen, und uns kleine Andenken auf der Zunge zergehen lassen.

Momente verlieren aber nicht an Wert, wenn man sie nicht für ein späteres Nachempfinden herrichtet. Der Moment verliert dann nicht an Wirklichkeit – er gewinnt daran. Natürlich will ich ab und zu nach Schönheit greifen; versuchen, dem Augenblick ein Bild zu entlocken, eine Blaupause, aber nie fängt man damit alles ein, nie kann das gelingen. Ein Bild zeigt nur einen winzigen Ausschnitt des grossen Ganzen; das ist es, was wir vergessen. Was wir vergessen wollen, vielleicht.

Denn wenn die unglaublich romantische Skyline im nahen Sonnenuntergang vom Rauschen des Meeres untermalt wurde, dann verschweigt dir das ein Photo.

Es verschweigt aber auch den Kuss, der auf das Knipsen folgte; es verschweigt das Kitzeln in der Magengrube, und die Wärme auf Haut, und im Blick eines Anderen.

Man braucht Momente, in denen man sich nicht nur unbeobachtet weiss, sondern auch selbst damit aufhört, sich zu beobachten. Man braucht Momente, in denen man nach nichts Anderem strebt, als sie wahrzunehmen; nicht einmal danach, sie zu speichern. Bloss da sein. Ruhig sein. Ich für mich. Das ist die Formel, glaube ich; das ist der Schlüssel zum Selbstsein. Selbstständig, sich selbst bewusst. Alles andere ist Kontext, ist blosser Rahmen, selbst gewählt.

Mein Gesicht sucht die Sonne, wandert ihr entgegen. Die Sonne gibt mich mir zurück.

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